Eine besondere Abreise

Nach den vielen Wochen Unsicherheit, habe ich nun meine Abreise in meine Wintersaison nach Kambodscha geschafft. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass in dieser Zeit kaum mehr jemand Lust verspürt, in ferne Länder zu reisen, wenn es denn überhaupt möglich ist.

Nachdem sich die Corona-Situation in Südostasien entgegen Europa deutlich beruhigt hat, entschied ich mich nun die Reise auf mich zu nehmen. Dies war mir aber auch nur möglich, weil ich noch im Besitz eines bis im April 2021 gültigen Visa bin. Die üblichen Touristenvisa werden zur Zeit gar nicht ausgestellt.

Die Reisebedingungen sind zwar zur Zeit alles andere als einfach, so musste ich im Vorfeld für eine Einreise nach Kambodscha so einige Dokumente in englischer Übersetzung organisieren, Visum- und Aufenthaltsabklärungen treffen und schlussendlich einen Covid-Test kurz vor Abflug absolvieren.

Nach Kambodscha gibt es aktuell nur wenige Reisewege. Nebst einem Flug mit der Korean Airline über Seoul bietet nur gerade die Singapore Airline Flüge mit einem Zwischenstopp an.

So stand ich also gestern Samstag in der Früh am Flughafen und checkte für eine etwas ungewohnte Reise ein. Dass es nur wenige Reisende geben wird, war mir klar. Dass ich aber praktisch alleine am Check-in stand und dann nur gerade 26 Personen den A350 der Sinagapore Airline bestiegen, gab mir schon zu denken. Offenbar wird der Flieger mit Fracht vollgepackt, in der Kabine war davon aber nichts zu sehen. Alle Reisenden wurden in der Kabine verteilt und so hatte ich wohl das einzige Mal in meinem Leben einen ganzen Sektor für mich alleine.

Es ist ja nicht so, dass ich vor dem Virus nicht Respekt habe. Fühle mich bei solchen Ansichten gerade etwas ungeschützt……

Nach und nicht vor dem Boarding:

Mein Privat-Abteil:

Dass der Flieger aus techniscben Gründen schlussendlich mit 3 Stunden Verspätung abhob, war verkraftbar. Die Betreuung während des Fluges war natürlich hervorragend und sehr aufmerksam und es war für einmal ausreichend Platz um etwas zu schlafen.

Nach etwas mehr als 12 Stunden in Singapur angekommen, entspanne ich mich in der extra hergerichteten Aufenthaltszone am Flughafen. Flanieren und Bummeln ist zur Zeit nicht angesagt.

Nach ein paar Stunden geht es nun hoffentlich pünktlich weiter nach Kambodscha, wo ich nach weiteren 2 Stunden Flug landen sollte. Dort wird mich nach einer etwas umfangreicheren Einreisekontrolle, einem erneuten Covid-Test eine direkte Hotelquarantäne von 14 Tagen erwarten. Am nächsten Sonntag gibt es hierzu dann wieder Neuigkeiten. Bis dahin mit lieben Grüssen aus Singapur.

Saisonstart, aber wann?

Auch wenn die jetzigen Herbsttage in der Schweiz so einiges an Schönem zu bieten haben, so zeigt mir der Einzug des nasskalten Wetters doch deutlich, dass ich innert Kürze meine Saison in Kambodscha in Angriff nehme sollte.


Vorerst bleibt es aber nun mal beim sollte, denn Corona vermiest nun auch uns künftig die sonst so liebgewonnenen Möglichkeiten. Glaubten wir im Frühling noch fest daran, eine nächste Saison wie gewohnt durchführen zu können, so mussten wir zwischenzeitlich schweren Herzens die für das Jahr 2021 geplanten Rundreisen aufgrund der grossen Unsicherheiten absagen. Gerade für meine kambodschanischen Freunde und Mitstreiter ist dies ein herber Schlag. Das Wegbleiben der Touristen bringt sie in ernsthafte existentielle Nöte.


Kambodscha, wie auch die Nachbarländer, haben es durch die frühen rigorosen Grenzschliessungen und konsequenten Einreisesperren geschafft, ihre Staaten bislang weitgehend Coronafrei zu halten. Gelesen in diesen Tagen auf Watson:

Watson, 29.09.2020

Nun sind die Staaten daran, bedacht und nur sehr zögerlich wieder Ausländer ins Land zu lassen, was mit Blick auf die Vorkommnisse in der westlichen Welt in Sachen Corona für mich auch verständlich ist.

So geht es nun also bei mir so weiter, wie die letzte Saison aufgehört hat. Weiterhin schlage ich mich mit Annulierungen und Umbuchungen von Flügen und Hotels herum und hoffe gleichzeitig, dass meine Abreise in eine für einmal etwas andere Saison doch noch zeitig klappen wird.

Dankeschön

Nachdem Kambodscha und Thailand das öffentliche Leben zwischenzeitlich auch massiv eingeschränkt haben, wurde es nichts aus meiner vorgesehenen Aufenthaltsverlängerung bis ende April. Die Grenzen und somit auch die Flugverbindungen sind bis auf weiteres geschlossen und es ist denkbar, dass eine eine Abreise nicht vor Juni möglich wäre.

Ich hätte nie im Traum daran gedacht, dass auch ich einmal für eine Heimreise auf die staatliche Hilfe der Eidgenossenschaft angewiesen wäre. Das EDA mit ihrer Schweizerischen Botschaft in Thailand, u.a. auch zuständig für Kambodscha, leistete in den letzten Wochen ganze Arbeit, und machte es in relativ kurzer Zeit möglich, dass viele in dieser Region gestrandete Touristen nun sicher zurück in die Schweiz zurückreisen konnten. So war es also auch mir gegönnt, heute früh am 03.04.2020 in Phnom Penh eine Maschine der Edelweiss mit Direktflug nach Zürich zu besteigen.

Kambodscha und seine Bevölkerung haben sich im Kampf um den Virus bislang vorbildlich verhalten. Obschon die Krise das Land ebenso mit grosser Härte trifft, wich das für Kambodschaner so typische Lächeln zu keiner Zeit von ihren Gesichtern. Auch wenn man dies in den letzten Tagen nicht mehr so deutlich zu sehen bekam und die Kontrollen an den verschiedenen Checkpoints teilweise etwas gar skurril daher kamen.

Trotz hochsommerlichen Temperaturen leide ich hier offenbar an akuter Unterkühlung, oder anders gesagt, cooler gehts nicht😂

Ich bin für die erneut wunderbaren Monate in Kambodscha dankbar, und ich werde in der Schweiz meine Freunde, mein Umfeld hier und die gelebte Herzlichkeit sicherlich vermissen. Aber schliesslich ist nach der Saison auch vor der Saison, und so freuen wir uns einfach heute schon auf ein möglichst gesundes Wiedersehen in der nächsten Saison, und dann hoffentlich wieder ohne Mundschutz!

Gastbeitrag

Jacqueline & Mauro, 29.02. – 19.03.2020

Man kann eine Reise auf zwei Arten machen. Mit einer Reisegruppe, den aus dem Prospekt schmackhaft gemachten Reisezielen folgend und dabei nur oberflächlich die Bewohner dieses Landes wahrzunehmen, oder man macht eine Reise mit Marcel!

Wir blicken zurück auf eine erlebnisreiche, emotionale und spannende Reise. Wir sind dankbar für die Erkenntnis, wieso wir auf der ganzen Reise einen Schal getragen haben, die geschichtlichen Hintergründe in den 70er-Jahren, wo die Bewohner dieses Landes erschütternde und unmenschliche Jahre erleben mussten, die vielen lachenden Gesichter und die Freundlichkeit die uns entgegengebracht wurde, oder die faszinierende ländliche Gegend, wo wir schon mal von spielenden Kindern in Beschlag genommen wurden.

Wir durften erfahren, wie die Handwerker dieses Landes ihre Arbeit verrichten, wir lernten die wichtigsten Wörter der einheimischen Sprache wie Dankeschön und guten Tag kennen, die uns unwahrscheinlich viele Sympathien entgegenbrachten und natürlich auch der familiäre Abschluss bei Somnang, Zaly und Marcel, der einem das Heimreisen schwer machte.

Unsere Reise endet mit einer nicht erahnten Ruhe und Gelassenheit und einem grossen Dankeschön an die Bewohner dieses Landes und Marcel, welcher uns auf dieser Rundreise mit viel Engagement und Herzblut betreute.

Gastbeitrag

Astrid & Gerhard, 25.01. – 13.02.2020

Ein Lächeln trotz Armut

Im August 2015 haben wir Cello kennengelernt und schon rasch war klar, eine Reise mit Cello muss irgendwann sein. Vom Traum zur Wirklichkeit sind wir am 25. Januar 2020 aus unserem gut strukturierten, regulierten und sauberen Land abgereist. Von Cello aufs herzlichste in Phnom Penh empfangen starteten wir in Zeiten des Corona-Virus unsere Rundreise mit ihm.

Da wir bewusst völlig unvorbereitet losgereist sind, haben wir, etwas geschockt von den hiesigen Zuständen, uns auf das grosse Reise-Abenteuer eingelassen. Der Start in Phnom Penh hat uns bereits vieles gelehrt:

➢ es gibt keine Regeln auf den Strassen in Kambodscha – und es gibt auch fast keine Unfälle

➢ ein Töff kann bis zu 6 Personen auf einmal transportieren – der Familienausflug findet also auf dem Töff statt und das Mittagsschläfli der Kinder wird während der Fahrt gemacht

➢ der Khmer beschafft sich alles auf dem Markt – jeder baut etwas an und verkauft es – sogar Kakerlaken und Maden sowie Frösche und Mäuse werden hier angeboten – gewöhnungsbedürftig für uns

➢ TukTuk ist ein sehr beliebtes und extra charmantes Fortbewegungsmittel in der Stadt

➢ die Menschen sind trotz für unsere Verhältnisse grosser Armut, stets zufrieden und dankbar

➢ Kambodscha ist ein Land mit einer noch sehr jungen Geschichte, diese ist dem Volk sehr nah

Das Gefangenenlager der roten Khmer und die «killing fields» in Phnom Penh lassen uns in eine grosse Anteilnahme versinken. Zu unseren Lebzeiten (1975-1979) wurden hier ca. 3 Millionen Kambodschaner aufs übelste gefoltert und ermordet. Nach diesem Tag wird uns sehr klar, warum dieses Volk so ehrfürchtig und dankbar ist. Es ist auch auffallend, dass es sehr wenig ältere Menschen gibt. Im buddhistischen Glauben finden die Khmer ihre Kraft. Sie schauen nach Vorne und haben der Vergangenheit verziehen. Die grosse Bescheidenheit lässt das Volk auch sehr dankbar sein – wir sind tief beeindruckt.

Das Leben der Mönche in ihren Wats kann sehr vielseitig sein.

Die Geschichte des «Bamboo-Train» fasziniert uns sehr – ein tolles Erlebnis! Der staatliche Zug fährt hier übrigens auch – einmal wöchentlich.

Auch lernen wir hier, wie in der grössten Bescheidenheit und von der Anlieferung des Fisches das Würzprodukt aus Fisch «Prahok» entsteht. Wer das live gesehen hat, achtet künftig drauf, wo Prahok drin istJ

Die Reisbauern haben ein sehr schweres Leben. Ein 50 kg- Reissack ergibt für Bauern gerade mal 50 Rappen/kg Reis. Nichts desto trotz sind die Menschen hier glücklich, zufrieden und dankbar.

Aus dieser grossen Armut und Bescheidenheit helfen sich die Kambodschaner sehr gut selber. So wird aus allem etwas Verwertbares gemacht. Eine Lotusblume hat für uns einen komplett anderen Wert als für die Khmer – von der Blüte, über die Frucht bis hin zum Stengel wird einfach alles verarbeitet.

Aus dieser wunderschönen Blüte wird auch Tee gemacht – mmmmmmmh

…..aus dem Blütenkopf wird ein Snack gewonnen und aus dem Stengel, man glaubt es kaum, wird Seide gewonnen und bis hin zu Kleidern, Schals, etc. verarbeitet – wohlbemerkt von Hand!

Egal wo wir hinkommen, die Menschen begegnen uns mit grossem Respekt und einer enormen Herzlichkeit. Überall wird uns im bestmöglichen Englisch erklärt, aus was für Rohstoffen der Natur welche Produkte hergestellt werden können. Was uns ebenfalls sehr beeindruckt ist, dass die Menschen hier für ihr Wissen nicht etwa eine Schule besucht haben, nein sie lernen voneinander und von der Natur – das ist ihre Kultur.

Das Corona-Virus ist derzeit allgegenwärtig, sei es bei den derzeit fehlenden chinesischen Touristen oder Gastarbeitern, oder bei uns selber:

Unsere Reise und unsere Erlebnisse können hier niemals in einem nachvollziehbaren Rahmen wiedergegeben werden. Uns ist aber wichtig, allen Leser*innen zu sagen, dass sich eine Reise in ein solches Land in jedem Fall lohnt. Es hat uns so tief beeindruckt, wie die Menschen hier in ihrer Armut und in ihren Nöten doch so zufrieden und dankbar leben. Für sie gibt es «have» oder «no have» – und auch das ist unterschiedlich zu handhaben.

Trotz, oder vielleicht auch wegen der grossen Armut ist das kambodschanische Volk «reich». Die Menschen sind reich an Ideen, an Wissen in der Nutzung der Natur, sie sind reich an Dankbarkeit und an Zufriedenheit und sie zeigen uns auf eine sehr beeindruckende Weise, dass es nicht das grosse Geld braucht, um glücklich und zufrieden zu sein.

Und, sie sind auch reich an Herzlichkeit – schenken sie uns doch jederzeit ein freundliches Lächeln.

Wir sind dankbar für das Erlebte und werden noch lange von dieser tollen Reise laben.

Astrid & Gerhard

22.03.2020

Diese Woche war noch vom Aufenthalt von Jacqueline und Mauro geprägt, aber schlussendlich auch vom ganzen Corona-Wahnsinn auf dieser Erde.

In Kambodscha begleitet uns der Virus seit dem Ausbruch am chinesischen Neujahr. Kambodscha hatte damals sofort einen Einreisestopp für Personen aus China und später Südkorea verhängt. Die Kambodschaner sind im Grundverhalten sehr ängstlich und schützen sich seither wo sie können. Glaubt man den offiziellen Zahlen, so sind in Kambodscha bis anhin etwas über 50 Personen infiziert, Tendenz leider ebenfalls steigend. Zwischenzeitlich sind auch hier sämtliche Schulen zu und seit gestern werden keine Flüge mehr in die Nachbarländer Thailand, Laos und Vietnam durchgeführt.

Nachdem nun seit kurzem auch die westlichen Touristen aus Europa nicht mehr einfliegen können, liegt Kambodscha touristisch gesehen auf der Intensivstation. Unzählige Hotels stehen praktisch leer oder sind geschlossen. Tausende Angestellte oder Gewerbetreibende haben auch hier keinen Job oder keine Aufträge. Ein sozialer Ausgleich oder eine finanzielle Unterstützung wie wir sie in der Schweiz kennen, gibt es hier nicht. Viele Kambodschaner kämpfen derweil um das finanzielle Überleben.

Die Kehrseite der Medaille: Unsere Gäste durften sich nicht nur auf der Rundreise sondern auch hier in Sihanoukville am geringen touristischen Aufkommen erfreuen, und genossen die letzten Tage am praktisch leeren Strand. Schnell war es dann aber mit Träumen und Schwelgen vorbei, als die SWISS unseren beiden Gästen 2 Tage vor ihrer Abreise per E-Mail mitteilte, dass ihr Rückflug in die Schweiz ab Bangkok storniert wurde. Man bitte um Geduld und sie würden dann wieder kontaktiert, hiesse es in der knappen Mitteilung.

Der Flug von Phnom Pemh nach Bangkok war von dieser Stornierung nicht betroffen, und so verbrachten wir den letzten gemeinsamen Tag also nicht mit einem gemütlichen Drink, sondern aktivierten sämtliche digitalen Gerätschaften, um für die Beiden eine möglichst zeitnahe anderweitige Heimreise zu organisieren. Jegliche Hotlines, sei es Airlines oder Versicherungen, waren wie zu erwarten nicht erreichbar. Wir waren dann umso glücklicher, als wir noch einen neuen Flug mit der Thai Airways für Freitag Nacht buchen konnten.

Noch ein letztes Abschieds-Selfie, und weg waren sie

Die Heimreise der Beiden hat sich durch ein paar nicht absehbare Verzögerungen etwas arg in die Länge gezogen. Wir waren daher froh zu vernehmen, dass nun auch sie am gestrigen Tag wohlbehalten in der Schweiz angekommen sind. Wie sich im Nachhinein feststellen lässt, handelte es sich bei ihrem Flug von Phnom Penh nach Bangkok vorerst um den letzten Flug nach Bangkok. Und übrigens, die SWISS hat sich seit ihrer Stornierungsmeldung nicht mehr bei den Beiden gemeldet….

Ich selber hatte geplant, meine Rückreise nächste Woche anzutreten, habe dies aber aufgrund der chaotischen Zustände beim Reisen und in Europa, um einen weiteren Monat hinausgeschoben. Mittlerweile wurden die Flüge seitens der Fluggesellschaften ohnehin storniert, und so bleibt mir auch keine andere Wahl, als die Wärme hier noch etwas zu geniessen und mir die nächsten Wochen und Tage möglichst angenehm einzurichten. So quasi eine etwas schönere Variante einer Quarantäne und hoffentlich gut für Seele und Geist. Spotify und mein E-Reader helfen mir über die Runde.

Um die Isolation muss ich mich bei meinen täglichen Besuchen am Strand des Sokha Beach Hotels nicht bemühen. Das Hotel mit seinen 3000 Betten steht bis auf ein paar einzelne Buchungen leer und ich fühle mich in der riesigen Anlage und am Strand schon fast ein wenig wie Robinson. Nicht weniger allein bin ich im dazugehörigen Fitnesscenter. Als Trost bemüht sich die dort anwesende Ausichtsperson dafür um meine Lieblingsmusik und hat auch viel Zeit für einen Schwatz.

Noch etwas zum Baufortschritt in Sihanoukville: Die Strassensanierungen sind nachwievor voll im Gang und werden bestimmt auch noch einige Monate in Anspruch nehmen. Einige Strassenzüge sind aber schon weit fortgeschritten,

während es bei anderen, so nun auch in unserem Quartier, ziemlich drunter und drüber geht. Einige Anwohner werden für eine gewisse Zeit schon mal mit einer natürlichen Lärmschutzwand versorgt oder erleiden eine Ausgangssperre der etwas anderen Art.

An den nächsten beiden Sonntagen darf ich an dieser Stelle je einen Gastbeitrag unserer letzten Reisenden veröffentlichen. Es freut uns immer wieder, wenn Gäste im Nachgang ihrer Reise selber über ihre Erfahrungen und Erkenntnisse ein paar Worte verfassen.

Gesundheit ist für mich seit je her, und nicht erst seit Corona, ein unbezahlbares Gut. In diesem Sinne bleibt gesund und helft mit, dass diese enorme Krise bald unter Kontrolle ist.

15.03.2020

Ist man im März auf dem Lande unterwegs, stechen einem in den Dörfer die vielen Hochzeitsfeste ins Auge. Ab dem Monat März bis zum Beginn der nächsten Regenzeit erholen sich die Reisbauern von der strengen Reisanbauarbeiten und planen so auch familiäre Feierlichkeiten und Ausflüge in dieser Zeit. Gefeiert wird in der Regel im Hause der zukünftigen Ehefrau. Ein Cateringunternehmen stellt hierzu ein passendes Zelt, Essen, Musik aber auch die traditionellen Kleidungsstücke für das Brautpaat zur Verfügung. Die Festlichkeiten dauern in der Regel mehr als 1 Tag und sind kaum zu überhören.

Zu Beginn des Hochzeitfestes begleiten die eingeladenen Gäste den Bräutigam ins Haus der Braut. Zufälig des Weges kommend nahmen wir die Gelegenheit war, ein paar Augenblicke beim Beginn einer solchen Feierlichkeit zuzusehen.

Unser Aufenthalt In Siem Reap zu Beginn dieser Woche bescherte uns wie oft im März sehr heisses Wetter. Die Tagesausflüge, insbesondere natürlich die Tempel von Angkor, wurden so zu einem höchst schweisstreibenden Erlebnis. Wir haben es überlebt und es hat sich mehr als gelohnt. Auch dieses Mal waren höchstens 10% der sonst üblichen Besucherscharen auszumachen.

Trotz der langen Trockenzeit und heissen Temperaturen sind viele Pflanzenarten nachwievor in ihrer vollen Pracht anzutreffen. Somit dürfen sich also auch März-Reisende an blumigen Aufnahmen erfreuen.

Sogar die Hotel-Poolanlage ist nachwievor von blühenden Bäumen umgeben

Und nun sei zum Schluss noch die Frage aller Fragen beantwortet: Warum in alles der Welt tragen KamboCello-Reisende bei solchen Temperaturen einen Schal?

Bei diesem Schal handelt es sich um den traditionellen „Khmer-Kroma“ , welcher vorallem durch die Bevölkerung auf dem Land zu jeder Gelegenheit getragen wird. Der Kroma und seine verschiedenen Muster sind allgegenwärtig und stechen unter anderen Schals ähnlicher Art hervor. Sie sind Teil der kambodschanischen Geschichte und ein Erbe, das über Generationen weitergegeben wurde. Diese Mehrzweckkromas sind in nahezu jedem kambodschanischen Haushalt zu finden.

KamboCello-Reisende symbolisieren mit dem Tragen dieses Schals vom Reisebeginn weg ihre Verbundenheit zum kambodschanischen Volk. Nebst all dem ist dieser Schal auch ein unverzichtbarer Schutz gegen Staub und Hitze und wird von uns jeweils gerne getragen.

Eine erneut schöne Rundreise nahm am Mittwoch mit dem Flug nach Sihanoukville ihr Ende. Noch bis zum kommenden Mittwoch geniessen nun Jacqueline und Mauro unser Zuhause und den schönen Strand, bevor wir uns auch von ihnen verabschieden müssen.

08.03.2020

Letzten Sonntag war es nun also bereits soweit, und ich startete zu meiner 4. und letzten Tour in dieser Saison. Ich reise hierzu jeweils einen Tag im voraus bereits nach Phnom Penh um sicher zu stellen, dass ich rechtzeitig am Flughafen eintreffen kann.

Habe ich mich vergewissert, dass unsere Gäste auch wirklich das Flugzeug in der Schweiz bestiegen haben, und am Morgen des Ankunftstages sehe, dass sich das Flugzeug aktuell über Indien befindet, so lasse ich es mir bis zur Abholung am Flughafen noch etwas gut gehen.

Meistens verbringe ich die Zeit damit, noch ein paar kleinere Besorgungen in der Stadt zu erledigen. Dieses Mal war wieder mal der Coiffeur angesagt und ich staunte dabei einmal mehr, dass man sich hier in Kambodscha mehr als 60 Minuten mit meiner Haarpracht beschäftigen kann😂 (notabene Waschen, Rasur und Kopfmassage inkl). Danach war ich nach einem guten Espresso definitiv wieder für das nächste Abenteuer bereit.

Jacqueline und Mauro sind wohlbehalten in Kambodscha angekommen und lassen sich vom ersten Augenblick an neugierig und freudig auf das Reiseabenteuer ein.

Phnom Penh, der perfekte Ort, um Tradition und Moderne gleichzeitig zu sehen und zu erleben. Während beim Frühstück mehr der Geschmack als die Tradition entscheidend ist,

Die asiatische Frühstücksvariante

sind beim Verlassen des Hotels dann sehr schnell wirkliche Traditionen ausmachbar. Ein schöner Brauch sind zum Beispiel die Morgengebete der von Haus zu Haus ziehenden Mönche:

Umso schöner, wenn man bedenkt, dass traditionellen Bauten mit viel Geschichte auch in diesem Land immer weniger Platz belassen werden.

Ich kann mir nur schlecht vorstellen, dass das neue Phnom Penh mit ihren neu entstehenden Quartieren, künftige Generationen genau so in den Bann ziehen können, wie wir das heute noch erleben dürfen.

Neustadt ganz im Stil von Paris

So lassen wir doch unsere Gästen viel lieber in die traditionellen Werte des Landes eintauchen und die Erfahrungen damit scheinen uns Recht zu geben.

Liebe geht bekanntlich durch den Magen

Nach einer Vielfalt von Eindrücken in Phnom Penh bietet die Gegend um Battambang Kontrast-Programm pur. Zuerst galt es aber die Strecke von knapp 300 Km per Bus zurückzulegen. Durch die 200 Km lange Strassensanierung nicht immer ein gemütliches Unterfangen. Hat man dann noch die etwas überladene TukTuk-Fahrt zum Hotel überstanden, ist ein entspannter Abend im beschaulichen Battambang aber in Reichweite und lässt einem die vorherigen Strapazen schnell vergessen.

Die Tagestour in die Gegend von Battambang lässt viele schöne Einblicke in das Leben der Landbevölkerung zu. Schnell sind tolle Begegnungen möglich und machen den Tag zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Bekanntlich ist ja die Auswahl an Früchten gerade in dieser Gegend riesig. Für unsere Gäste immer wieder interessant zu entdecken, auf welche Art diese wachsen.

Zwischendurch liegt auch durchaus mal ein kleiner Arbeitseinsatz drin. Dies dann ganz zur Freude der einheimischen Angestellten.

In der Reismühle werden Lastwagen mit bis zu 40 Tonnen Reis beladen, dies alles mit reiner Manneskraft.

Ein Erlebnis der besonderen Art ist jeweils der Besuch einer Fischpastenfabrik. Einmal selber gesehen und gerochen zu haben, unter welchen Bedingungen in einer solchen fabriziert wird, hinterlässt definitiv bei allen KamboCello-Reisenden eine bleibende Erinnerung.

Nach solchen Erlebnissen bleibt dann eigentlich nur noch eines, nämlich ein möglichst grosses Bier. Battambang ist und bleibt ein Highlight unserer Rundreise.

01.03.2020

Lässt es meine Zeit zwischen den Rundreisen zu, so unternehme ich zwischendurch auch gerne mit Somnang und Zaly Ausflüge oder Kurzreisen. Dies nicht zuletzt auch um ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr eigenes Land näher kennenzulernen.

Am vergangenen Wochenende war dies wieder mal der Fall und unser Familienausflug führte uns zuerst nach Kampot. Unternimmt man die Reise an einem Wochenende, so hat man die Möglichkeit, dies mit dem Zug zu tun. Die Eisenbahn zwischen Sihanoukville und Phnom Penh, unter anderem mit Zwischenhalt in Kampot, verkehrt vorerst nur an den Wochenendtagen. Die Strecke nach Kampot legt man in knapp 3 Stunden zurück, mit dem Auto hat man bei den momentanen Verkehrsverhältnissen nicht weniger lang. Zudem darf man sich an einer schönen und abwechslungsreichen Landschaft erfreuen.

Bahnhof Sihanoukville – Zaly auf Reise

Es bitzeli stinke muess es

Das Städtchen Kampot liegt zwar nicht am Meer, dafür an einem malerischen Fluss, und der typische Baustil aus der Kolonialzeit ist hier noch gut erhalten. Vor etwas mehr als 10 Jahren noch, war dies ein verschlafener kleiner Ort mit vielen lokalen Geschäften, heute ist der alte Stadteil fast gänzlich in touristischer Hand. Man muss nicht viele Meter durch die Strassen gehen und man weiss, wo sich ein Grossteil der westlichen Bewohner des Landes nach ihrem Wegzug aus Sihanoukville niedergelassen hat. Die Restaurant- und Barangebote wiedergeben so das gesamte westliche Sortiment, Khmer-Küche natürlich inklusive. Auf einer Reise durch Kambodscha kann man gut und gerne einen Moment in Kampot verweilen, umsomehr es auch in der näheren Umgebung einiges zu erkunden gibt.

Nach dem Hotelbezug beendeten wir unseren ersten Ausflugstag mit einer stimmigen Flussfahrt und danach einem feinen Nachtessen aus der heimischen Küche. Begleitet wurden wir dabei von unserer lieben Schweizer Bekannten Monika, welche bis vor 2 Jahren in Sihanoukville zusammen mit ihrem seinerzeitigen Partmer ein Gästehaus führte. Seit ihrem Wegzug nach Kampot hat sie sich gänzlich dem hiesigem Tierwohl verschrieben. Mehr zu ihrem Wirken am Schluss des Beitrages.

Am Sonntag Morgen wurden wir dann von unserem Fahrer Veasna abgeholt und die Fahrt führte uns weiter an den kleinen Küstenort Kep. Bekannt ist Kep vorallem durch seinen Krabbenmarkt und frischen Seafood.

Nach einem kurzen Abstecher auf dem Markt (Somnang deckte sich mit mehreren Liter spezieller Fischsauce ein, welche es so in Sihanoukville nicht gibt) liessen wir uns mit einem Privatboot auf die nahe gelegene Insel Tonsay bringen. Hier genossen wir ein paar Stunden mit schwimmen, relaxen und natürlich einer frischen Portion Seafood, bevors dann wieder zurück auf das Festland ging.

Auf der Rückfahrt nach Sihanoukville gab es dann noch einen Halt für ein Nachtessen inform frisch zubereiteter Reisnudeln. Ein attraktives Wochenende nahm damit sein Ende.

Obschon die vergangene Woche noch etwas der Entspannung diente, freuten wir uns auf einen spontanen Besuch eines Schweizer und Deutschen Ehepaares, mit welchen ich zufällig im Sokha Beach Hotel ins Gespräch kam. Sie erholten sich ebenso ein paar Tage von einer längerer Rundreise durch Laos und Kambodscha und wollten die Gelegenheit nutzen, nochmals etwas Besonderes aus der Khmer-Küche zu kosten. Somnangs Khmer-Curry hat ein weiteres Mal gepunktet.

Gestern habe ich nun wieder die Reise nach Phnom Penh angetreten, wo ich am heutigen Tag unsere letzten Gäste dieser Saison zur Rundreise am Flughafen abholen darf.

23.02.2020

Als ich vor Jahren das erste Mal in Battambang unterwegs war, stach mir auf einer meiner Fahrten eine etwas spezielle Hängebrücke über einen Nebenfluss des Tonle Sap-Sees ins Auge. Man erklärte mir, dass diese mal von Schweizer Hand erbaut wurde, näheres zu diesen Umständen konnte man mir aber nicht berichten. Auf meinen Rundreisen mache ich seit Beginn weg mit unseren Gästen dort Halt.

Dank Rafi, welcher mit mir im letzten November die Reise unternahm, bin ich nun in der Lage, etwas mehr über diese Brücke zu erzählen. Rafi vermutete nämlich aufgrund der Bauweise und den verwendeten Materialien zu wissen, aus wessen Schweizer Hand diese Brücke stammt. Etwas Recherche im Internet bestätigte dann seine Vermutung und seither weiss ich nun also, dass diese Hängebrücke eines der Werke des Schweizers Toni Rüttimann ist.

Toni Rüttimann wurde 1967 im bündnerischen Pontresina geboren. Schon in jungen Jahren ging dieser gerne auf Reisen und fühlte sich zu Menschen hingezogen, welche im Leben nicht immer auf der Sonnenseite stehen.

Kurz vor seiner Matura gab es in Ecuador ein heftiges Erdbeben und Toni Rüttimann verfolgte die Bilder der Zerstörung im Fernseher. Er wollte dorthin um zu Helfen und etwas Sinnvolles tun. Er traf darauf hin im geheimen Vorbereitungen, sammelte Geld und schrieb hierzu einen Artikel in der Engadiner Post.

Seine Eltern waren alles andere als mit seinem Vorhaben einverstanden. Doch er liess sich nicht von seinem Vorhaben abbringen. Er flog am Tag nach der Maturfeier mit seinen Ersparnissen und dem gesammelten Geld nach Quito, Ecuador. Er kämpfte sich bis ins Erdbebengebiet in den Dschungel vor und stand eines Tages vor dem reissenden Río Aguarico, dem Fluss, der aus den Anden ins Tal hinunterdonnerte. Er sah die vielen Menschen, die dort warteten und nicht mehr über den Fluss kamen. Und er wusste plötzlich, was er mit dem Geld anfangen würde: Brücken bauen.

Foto Schweizer Familie 14/2011

Zusammen mit einem holländischen Ingenieur bastelte er dort innert 4 Monate seine erste Hängebrücke. Er kehrte nach 6 Monaten in die Schweiz zurück und begann sein Ingenieurstudium, welches er bereits nach 7 Wochen wieder abbrach. Im Innersten wusste er, er wollte fortan Armen helfen. Er ging dann mit 20 Jahren wieder zurück nach Ecuador und lernte mit den Einheimischen im Busch zu leben.

Mit den Formeln des holländischen Ingenieurs sowie der Mitarbeit eines Schweissers entwickelte er einen eigenen Typ Hängebrücke. Seither baut der Engadiner Toni Rüttimann Fussgänger-Hängebrücken für abgeschnittene Dörfer mit wiederverwerteten Stahlseilen und Pipeline-Röhren. Die begünstigten Bauern tragen mit ihrer Arbeitskraft, Sand, Stein, Zement, Holz und Transport zu den Projekten bei. Die Materialien für die Brücken stammen aus Spenden von Schweizer Seilbahnfirmen und Stahlfirmen. Schon 55 Schweizer Seilbahnen und Seil-Lieferanten unterstützen den humanitären Brückenbau von Toni Rüttimann.

Gemäss einem Bericht aus dem Jahr 2011 waren es bereits nach 24 Jahren 538 Brücken in 13 Länder, wovon deren 76 in Kambodscha und somit auch eben diese hier in Battambang.

Zwischenzeitlich sind weitere Brücken dazu gekommen. So wurde im März 2018 in Myanmar bereits die 777. Brücke eingeweiht.

Foto Schweizer Familie 14/2011

Genau solche Geschichten über Menschen, welche ohne grosse mediale Präsenz mit ihrem unermüdlichen Einsatz Armut auf dieser Erde mindern, berühren mein Herz ungemein. Ihnen gebührt mein grösster Respekt. Ein schöner Moment, einer dieser Werke auf unserer Reise den Gästen zeigen zu dürfen.