10.01.2021

Sihanoukville ist bekannt für seine langen Strände, und unser Zuhause ist ideal gelegen für erholsame Tage am Meer. Zusätzlich gibt es ja auch die Möglichkeit, ab hier die verschiedenen Inseln per Boot anzufahren. Als ich Sihanoukville vor Jahren kennenlernte, waren die Strände anfänglich nur vereinzelt mit einheimischen Restaurants und Liegen ausgestattet.

Etwas später folgten dann viele weitere Restaurants und Bungalowanlagen mit günstigen Übernachtungsmöglichkeiten. Bis vor Jahren ein wirkliches Paradies für Rucksacktouristen aus aller Welt, welche auf ihrer Reise durch Kambodscha noch ein paar Strandtage geniessen wollten. Mit den Jahren witterten die einheimischen Beizenbetreiber aber das grosse Geld und verpachteten die Betriebe immer mehr zu ansehnlichen Preisen an westliche Auswanderer oder Weltenbummler. Diese haben in der Regel gleich mehrjährige Pachtverträge abgeschlossen, um so künftig ihrem Traum vom Beizerleben in tropischer Umgebung zu frönen. Meist ohne jegliche Erfahrung und ohne die nötigen finanziellen Mittel waren diese dann kaum in der Lage, die inzwischen dringend notwendigen Investitionen zu tätigen. Sie bekundeten offenbar auch Mühe zuverlässiges Personal zu finden. Dies weil man auch kaum ansprechende Löhne bezahlen konnte. Zudem kommt es auch hier nicht besonders gut an, wenn Ausländer nach dem Prinzip „ich Boss, du Arbeiter“ tätig sein wollen. So hat zum Beispiel auch Somnang als 20jähriger für einen Monatslohn von Fr. 30.– während 12 Stunden am Tag in einer solchen Strandküche gearbeitet. Als Schlafplatz diente die Abstellkammer für die Liegematrazen vom Strand, welche er nach Beizenschluss dort aufzustapeln hatte. Heute bewegen sich die Löhne in etwa beim 10fachen.

Nachdem das Getränke- und Essensangebot praktisch in allen Restaurants gleich war, konkurrenzierte man sich gegenseitig mit Billigpreisen und ganztägiger Happyhour und Partynächten nicht nur zu Vollmondzeiten. Jeder ausländische Beizenbetreiber war versucht, dem Essensangebot auch noch mit der Kost aus seiner Heimat den Stempel aufzudrücken. Und so waren also die kambodschaniscben Küchenangestellten plötzlich mit Pizza, Burgers, Pommes Frites und Kebaps beschäftigt. Die neue Generation der Rucksacktouristen liebt das.

Nach dem Zustrom der Chinesen und gleichzeitigen Rückgang der westlichen Aufenthalter kam es wie es musste, mit ein paar Ausnahmen verkamen die vielen Restaurants immer mehr zu maroden Buden und der verbaute Strand glich in den letzten Jahren teilweise schon bald einmal einer slumartigen Barackensiedlung. Nur noch wenige Betriebe verstanden es, ein schönes Stranderlebnis zu bieten und diese waren dann meistens schnell mal besetzt.

Und da kam dann eben der Moment zum Ende des Jahres 2019, als die Stadtbehörde diesem Jekami sehr aprupt eine Ende setzte. Innert weniger Wochen liess sie die ganze Strandmeile von ungefähr 7 Kilometer mit Bagger räumen. Dies natürlich ohne ersatzpflichtig zu werden, da alle Betriebe seinerzeit ohne eigentliche Bewilligung auf öffentlichem Grund erstellt wurden. Mit einigem Wehmut beobachtete ich im letzten Jahr diese Räumungsaktion. Was mir bleibt, sind Erinnerungen an viele ungezwungene Strandmomente und dazugehörige Geschichten von vergangenen 16 Jahren.

Im Hinblick auf die Stadtentwicklung war es das Ansinnen der Regierung, sämtliche Strände der Stadt wieder der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Fokus richtet sich auf einen vorwiegend asiatischen Tourismus. Der Asiate trifft sich am Strand zum Picknick oder einfach zum geselligen Zusammensein, aber nicht bräunend und lesend auf Liegestühlen. Insofern ist auch dieser Schritt für mich nachvollziehbar und das Resultat lässt sich bereits nach einem Jahr absolut sehen.

Die gesamte Länge des Strandes wird nun von einer breiten Strasse und einem Flanierweg gesäumt und die Strände werden durch den Staat gepflegt. Es ist schön zu beobachten, dass nun wieder viele Einheimische an den Stränden weilen. Vorallem in den Abendstunden säumen unzählige kleine Garküchen und mobile Restaurants den Weg und man verpflegt sich gemeinsam. Für andere Touristen entstehen zur Zeit auf der gegenüberliegenden Strassenseite unterschiedliche Restaurantbetriebe und Resorts inklusive Poolanlagen, und dies so nur wenige Meter von Strand und Meer entfernt.

Seit langem ist nun wieder ein „barrierefreier“ kilometerlanger Strandspaziergang möglich und auch das Meer bleibt von undefinierbaren Abflüssen aus den vorherigen Betrieben verschont. Ich hätte es nicht gedacht, doch diese Etappe der Stadtentwicklung nahm ein gutes Ende. Übrigens das Backpacker-Leben hat sich seit diesem Verlauf nun endgültig auf die naheliegenden Inseln verlagert. Solange die Chinesen von den Inseln (noch) nicht allzu angetan sind und lieber in den neu erstellten Casinos zocken, darf dies hoffentlich noch länger so bleiben. So findet dann eben jeder seinen Platz ganz nach seinem Geschmack.

03.01.2021

Mein täglicher Frühschwumm, für Körper und Geist ein guter Start in den Tag. Besonders am 01.01. um 6 Uhr habe ich in Gedanken mit Familie und Freunden in der Schweiz auf das neue Jahr angestossen. Wir wünschen Allen auf diesem Weg einen guten Start in ein hoffentlich friedvolles, möglichst gesundes und glückliches 2021. Es kann ja in vielen Belangen nur besser werden.

Vergangene Woche machten wir auch in diesem Jahr einen Ausflug in das ebenso südlich gelegene Kampot, mit dem Zug rund 2 1/2 Stunden Fahrzeit von Sihanoukville entfernt. Zur Zeit sind die Wetterbedingungen für Reisen gar nicht so schlecht, immer mal etwas bewölkt, aber natürlich nicht minder warm. Die Tagestemperatur liegt zur Zeit in der Regel bei 30 Grad. Mit einer Luftfeuchtigkeit zwischen 70 und 80% dann aber schweisstreibend genug, um zwischendurch mal eine kurze Siesta einzulegen. Meine in Kampot favorisierte kleine Lodge bietet hierfür die besten Voraussetzungen.

Nach dem Bezug der Zimmer führte uns eine TukTuk-Fahrt für einmal nicht zu den Pfefferfarmen, sondern Richtung Phnom Chngouk, auf welchem sich der Einstieg zu den heiligen Tempelhöhlen befindet. Bevor man jedoch in diese Tiefen runtersteigen kann, legt man den Weg in typischer Khmer Tempel-Manier zuerst um einiges aufwärts zurück. Anhand der Geräusche sind auch hier Fledermäuse wohnhaft, etwas unheimlich in der Tiefe der Höhle diese Laute zu vernehmen. Beim nächsten Mal rüste ich mich bestimmt mit einer gescheiten Taschenlampe aus.

Ein wenig entspannter ging es dann durch die nähere Umgebung Kampots, entlang von vielen Früchte- und Gemüseplantagen und mit einem Abstecher beim Secret Lake, in welcher Nähe sich weitere Pfefferplantagen befinden.

Einen Besuch in Kampot nutzen wir in der Regel gerne für einen Abstecher bei der Schweizerin Monika, welche hier seit ihrem Wegzug von Sihanoukville vor ein paar Jahren lebt. Nachwievor engagiert sie sich im Rahmen ihres Projektes „UCP Unicat Rescue Project Kampot“ für das Wohl von Katzen- und Hunden. Monika hat das in Kampot eröffnete Katzenkaffee vorderhand geschlossen und wohnt nun etwas weiter ab an sehr idyllischer Lage in einem kleinen Haus inmitten Einheimischer. Dank der grosszügigen Gartenanlage kann sie einen Teil des täglichen Früchtebedarfs nun selber decken und bietet so auch für die bei ihr wohnenden Hunde- und Katzen ein ideales Zuhause.

Mit einem ausgedehnten Spaziergang genossen wir am Folgetag nochmals die ruhige Atmosphäre des Städtchen Kampots bevor wir uns danach wieder auf den Heimweg nach Sihanoukville machten. Ich muss meinen kambodschanischen Mitbewohner noch etwas an die Eisenbahn gewöhnen. Macht Sinn das Angebot zu nützen, denn nur so wird ein Weiterausbau überhaupt möglich sein. In jedem Fall mussten auch Somnang und Zaly erkennen, dass die Strecke mit der Bahn in der gleichen Zeit wie mit einem Taxi zurückzulegen ist. Etwas mehr Sicherheit kann zudem auch nicht schaden.

Wie so oft wenn ich mal länger hier bin, nutze ich meine Zeit auch um meine lokalen Freundschaften zu pflegen. Eine davon ist Sarom, mittlerweile verheiratet und Vater von 2 Kinder.

Sarom kenne ich aus der Zeit, als ich vor dem Bezug unseres Hauses noch in einem Bungalow direkt am Strand logierte. Er verdiente damals sein Geld mit dem Betrieb eines Internetcafes, von wo aus man sich für wenig Geld an einem PC mit seinen Lieben zuhause in der Schweiz Verbindung aufnehmen konnte. Damals vorwiegend per E-Mail oder Überseetelefonat und dann etwas später per Skype. Ich erinnere mich gut daran, wie ich von dort, und eben mit Unterstützung durch Sarom, von meinen Reisen mit meist langen E-Mails berichtete. Vorallem in den Abendstunden war das Cafe dann jeweils gut belegt, und man musste dann schon mal darauf warten, bis einer der 10 Computer versehen mit Kopfhörer und Mikrofon frei wurde. Nervosität kam erst dann auf, wenn die Liebsten zuhause am PC zu einer vereinbarten Zeit auf ein Lebenszeichen warteten und eben noch kein freier Platz verfügbar war.

Welcher Luxus die heutige Zeit mit allen technischen Möglichkeiten doch bietet. Das ganze führte natürlich dazu, dass auch Sarom sein Internetcafe schon vor Jahren schloss und heute etwas ausserhalb der Stadt einen kleinen IT-Shop betreibt. Vom Drucker, Laptop, PC, Tablet, Druckerpatronen und sonstigem Zubehör, es gibt fast nichts was man bei ihm nicht haben kann. Ich staune auch, wie umfassend und vorallem stets aktuell sein Wissen ist, wenn man bedenkt, dass er zuvor nie eine IT-Ausbildung absolviert hat. Mit „Learning by doing“ und ein wenig Geschick kann man es doch zu einigem bringen. Und so statte ich ihm gelegentlich mal einen Besuch ab, sei es um etwas technischen Support zu erhalten, einen Papierausdruck erstellen zu lassen oder einfach einen Schwatz abzuhalten. Ein stets spannender Austausch zwischen Welten, welche nicht unterschiedlicher sein könnten.

27.12.2020

Wie in allen buddhistisch geprägten Länder, fanden auch bei uns keine Weihnachtsfeierlichkeiten statt. Den von Westlern organisierten Christmas-Partys konnte ich bis anhin noch nie viel abgewinnen. Wir verlebten daher eine normale Woche und das ist auch gut so.

Viel lieber möchte ich der Leserschaft zum Jahresende nachfolgend noch kurz einen Überblick über die diesjährige Weiterentwicklung von Sihanoukville verschaffen.

Seit dem Ausruf der Regierung Kambodschas, die Stadt Sihanoukville mit der tatkräftigen Unterstützung der Chinesen von einem überschaubaren Küstenort zu einer südostasiatischen Vorzeigestadt zu entwickeln, war ich in den letzten Jahren bei der Abreise oft überzeugt, schlimmer kann es nun nicht mehr kommen. Ich meinte damit stets nicht das Vorhaben als solches, sondern vielmehr, dass hier innert rekordverdächtiger Zeit eine Grossstadt aus dem Boden gestampft wird. Als sie dann vor etwas mehr als einem Jahr auch noch damit begannen, das komplette (!) Strassennetz in und um Sihanoukville überall gleichzeitig zu erneuern, waren starke Nerven gefordert. Ich gewann zum Teil den Eindruck, dass die Planer erst nach der Fertigstellung von ersten Hochhäuser gemerkt haben, dass dem Abwasser nun im besten Willen nicht mehr mit den herkömmlichen Sickergruben Herr zu werden ist und der Abfall am besten weit ausserhalb der Stadt und nicht mehr in jeder einzelnen Strasse verbrannt werden sollte. Und so kannten ich und meine Gäste in den letzten Jahren vorallem eines, nämlich Schlaglöcher, „Wasser“pfützen, Kehrichtdepots und Baustellen auszuweichen. Trotzallem für alle Hierhergereiste ein spezielles und bleibendes Erlebnis, eine solche Momentaufnahme mal mit eigenen Augen sehen zu können. Zwischenzeitlich sahen wir uns ja auch gezwungen, unsere Wasserversorgung in unserem Haus zusätzlich mit dem Anzapfen von Grundwasser zu sichern und der oftmals fehlende Strom mit der Anschaffung eines tüchtigen Generators zu erzeugen.

Der nachstehende Vergleich meiner beiden Fotoaufnahmen aus dem Jahr 2015 und der vergangenen Woche vermögen meine Ausführungen sicherlich zu verdeutlichen:

Dieses Jahr scheint nun wirklich alles etwas anders zu sein. Welche Überraschung für mich, als ich nach 8 Monaten wieder in Sihanoukville eintraf. Dies hätte ich mir im Traum nicht vorgestellt. Noch allzugut sitzen die Erinnerungen der Strassenverhältnisse in der Stadt bei meiner letzten Abreise im Kopf:

Und nun haben die hier es in der Zwischenzeit also tatsächlich trotz Regenzeit geschafft, 90% der Strassensanierungen inklusive dem Einbau von Wasser- und Abwasserleitungen sowie den Bau von Kläranlagen fertigzustellen. Die bisherigen Strassen wurden teilweise in grosse Avenues und allesamt mit grosszügigen seitlicben Fusswegen ausgestattet. Sogar Beleuchtungskörper und Verkehrstafeln sind nun auch in Sihanoukville existent. Man ist nun daran, während den nächsten Monaten noch die fehlenden kleineren Strassen sowie die vielen Abschlussarbeiten bei den Gehwegen und Rabatten fertigzustellen. Hier gibt es definitiv noch viel zu tun.

Sihanoukville wird von den Planern gerne als neue Metropole oder als sogenannte Smart-City bezeichnet. Das erste Mal glaube ich jetzt daran und bin nun sehr froh, dass die Zeiten des baulichen Molochs mehr oder weniger ein Ende gefunden haben. Ich kann mich nämlich schon gar nicht mehr daran erinnern, wenn ich mit meinem 125er Roller das letzte Mal mit 50 Km/Std durch die Stadt gefahren bin. Der vor 2 Jahren angeschaffte Stromgenerator sowie die Grundwasserpumpe in unserem Haus musste Somnang in diesem Jahr nur noch vereinzelt für einzelne Stunden in Betrieb nehmen und die Kehrichtabfuhr fährt nun auch teilweise 2mal wöchentlich vor.

Der alljährlich stattfindende Gipfel der 10 Asean-Staaten (Brunei, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand, Vietnam) findet im Jahr 2022 tournusgemäss in Kambodscha statt. Als Austragungsort für diesen Gipfel (mit den zusätzlichen Gaststaaten China, USA, Südkorea, Japan und Australien) wurde Sihanoukville bestimmt. Nun wird mir klar, warum hier dermassen aufs Tempo gedrückt wird. Nicht unmöglich, aber ein sehr ambitiöses Ziel, die Stadt bis dahin gipfeltauglich zu machen. Dies umsomehr Corona den Fahrplan durch das lange Fehlen der chinesischen Gastarbeiter bei den Bauten etwas durcheinander zu bringen scheint. Einiges ist fertig, doch bei vielen Gebäuden herrscht noch mächtig Durchzug.

Ohne Frage, ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn Sihanoukville so geblieben wäre, wie ich diese Stadt mal angetroffen habe und ich kann auch nicht wirklich nachvollziehen, warum wir in der Welt nur eines, nämlich ständiges Wachstum in den Köpfen haben. Der sogenannte „Point of no Return“ ist auch hier schon lange erreicht und so bleibt eben nur ein Weg, nämlich sich auf die Veränderungen einzustellen. So hoffe ich wenigstens, dass auch diese schlussendlich Chancen bieten wird. Zumindest unser Sunnyboy sieht es mal positiv und es scheint ihm schon mal zu gefallen.

20.12.2020

Die Freude war beidseitig gross, als ich nach einer problemlosen Fahrt aus Phnom Penh schlussendlich in Sihanoukville eintraf. Somnang und Zaly bereiteten mir einen gewohnt herzlichen Empfang und waren dafür besorgt, dass ich mich sofort wieder heimisch fühlte.

Vorderhand werde ich nun meine Zeit in meinem kambodschanischen Zuhause verbringen, bevor ich dann plane, noch etwas im Land umherzureisen. Im November waren es nun doch schon 10 Jahre her, dass wir die Liegenschaft per Fingerabdruck zum Eigentum übernommen haben. Ich erinnere mich noch gut an die Anfangszeiten zurück.

Während den ersten 5 Jahren nutzte ich meine jährlichen Ferien um zusammen mit Somnang unser Zuhause umzubauen, zu sanieren und für künftige Gäste umzugestalten.

Seit 2015 geniessen wir es nun Gastgeber sein zu dürfen und wir sind glücklich, dass uns seither schon so viele Gäste mit einem Aufenthalt beehrt haben. Eigentlich wäre ja ein Marschhalt aufgrund der Liste an Reiseinteressierten erst in ein paar Jahren geplant gewesen. Die jetzige Situation will es nun anders, und so ist es mir nun gegönnt, zum ersten Mal überhaupt, für längere Zeit zusammen mit Somnang und Zaly unser gemeinsames Heim ohne bauliche und planerische Tätigkeiten zu geniessen. Wenn mich jemand fragt, was ich denn jetzt den ganzen Tag so tue, dann pflege ich stets zu sagen „ich wohne“. Nach 2 Wochen stelle ich fest, dass mir dies ganz gut gelingt. Dass ich mich in Sachen einheimischer Küche auf die Kochkünste von Somnang verlassen darf, macht es umso einfacher.

Unsere Gartenanlage ist eine sich ständig ändernde Oase. Somnang investiert vorallem nach der Regenzeit jeweils viel Zeit, diese wieder sehr anschaulich auf Vordermann zu bringen. Bei einer näheren Betrachtung kann ich mit jedem Jahr wieder neue Errungenschaften oder kleine Schönheiten entdecken, welche unter anderem seine grosse Verbundenheit zur traditionellen Khmer-Kultur erkennen lässt.

Es scheint auch so, dass Somnang in unserem Garten schlichtweg alles zum blühen bringt. Auf einer seinerzeitigen gemeinsamen Reise nach Mondulkiri kaufte er sich dort aus dem kambodschanischen Hochland ein paar kleine Pflanzen aus einer Kaffeeplantage, und siehe da, den Kaffeepflanzen scheint es auch bei uns zu gefallen und erscheinen zur Zeit in ansehnlicher Grösse und dies erst noch mit Blüten dekoriert. Ob ich künftig nun auch noch meine Kaffeekapseln zuhause lassen kann, wird sich noch zeigen.

Auch in unserer nächsten Nachbarschaft hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Stand unsere Liegenschaft im Zeitpunkt des Kaufs noch weitgehend im Grünen, so beschränkt sich das Grün heute auf unseren Umschwung, dies dafür umso üppiger. Mit dem Blick aus dem Fenster im Jahr 2010 und der Luftaufnahme vom März 2019 ist das Ausmass der Bautätigkeit in unserer Nachbarschaft gut erkennbar.

Und zu guter letzt steht jetzt nach einer Bauzeit von 1 1/2 Jahren auf dem letzten unüberbauten Flecken, von wo unser Gast Bruno noch im März 2019 eben diese Luftaufnahme machte, nun ein mehrstöckiges Gästehaus, und gleich daneben wurden bisherige Gebäude um ein weiteres Stockwerk aufgestockt.

Die grosse Nachfrage nach Wohnungen liess die einheimischen Grundeigentümer in den vergangenen Jahren sehr viel Geld investieren. Nun hofft man natürlich auf ein baldiges Corona-Ende, denn sämtliche Neubauten stehen heute leer und haben bisher noch keine Mieter gesehen. Die Bankzinsen sind wie bei uns trotzdem zu bezahlen.

Unsere Nachbarin hat sich kurzum entschieden, in ihrer Liegenschaft ein Lädeli mit Artikeln des täglichen Gebrauchs aufzumachen, um wenigstens so noch etwas Einnahmen zu erzielen. Sehr zur Freude von uns, denn noch nie war der Nachschub an Getränken und sonstigen Kleinigkeiten so nah.

13.12.2020

Das Warten auf das Testergebnis zog sich am letzten Sonntag erwartungsgemäss noch etwas hin, und so erreichte mich erst im Verlauf des Abends der erlösende Anruf aus der Hotel-Lobby. Und wie habe ich es doch genossen, mein erstes Bier „in Freiheit“! Eventuell lag es aber einfach auch daran, dass ich mein Zimmer im Sokha-Hotel nun von der gegenüberliegenden Uferseite betrachten konnte. Ein Aufenthalt mit wirklich bleibender Erinnerung, den ich so eigentlich lieber nicht mehr wiederholen möchte.

Am Folgetag stand dann ein reichhaltiges Programm an, denn ich habe mich entschieden, nur noch diesen einen Tag in Phnom Penh zu verbringen um schnellstmöglich Richtung Süden an mein Endziel zu gelangen. So war dann am Montag also sogleich mein Fahrer Sansan gefordert, indem er mich an die verschiedenen Orte im Stadtzentrum brachte, damit ich noch ein paar Besorgungen und persönliche Abklärungen erledigen konnte. Sansan war sichtlich happy wieder mal einen ganzen Tag mit einem Gast unterwegs sein zu dürfen. Er und seine Familie können sich durch die fehlenden Touristen seit dem Frühjahr finanziell nur knapp über Wasser halten und versuchten zwischenzeitlich mit einem Umzug in eine kleine Wohnung ausserhalb der Stadt etwas Mietkosten einzusparen. Der längere Anfahrtsweg nimmt er in Kauf. Nebst den Mittel für den täglichen Bedarf sind es vorallem die Schulkosten für einen weiteren Schulbesuch der beiden Kinder die ihm Sorge bereiten.

Traditionsgemäss statte ich jeweils bei Reisestart einem Geistlichen in einer der schönen buddhistischen Pagoden der Stadt einen Besuch ab. Und seit diesem Moment beschützt mich hoffentlich auch in dieser Saison ein rotes Armbändchen am rechten Handgelenk vor Ungemach.

Bereits beim einchecken in meinem Hotel wurde mir ein weiteres Mal klar, dass Corona auch hier ganze Arbeit geleistet hat. Ich bin in diesem sonst gut frequentierten Hotel seit 2 Monaten der einzige Gast und mit Ausnahme von 2 Angestellten, welche das Hotel im Standbymodus halten, wurde das gesamte Personal schon vor Monaten freigestellt.

Fährt man durch die Touristenmeile „Riverside“ stellt man fest, dass nicht nur die Strassen kaum überfüllt sind wie sonst, sondern das Leben auch hier praktisch vollständig zum Erliegen kam. Ich schätze, dass etwa 80% der bei Reisenden beliebten Betriebe zwischenzeitlich geschlossen wurden. „For Sale“ und „For Rent“ dominieren das Bild dieser Gegend. Ein Grossteil der Bars und Restaurants waren vorwiegend auf einen westlichen Tourismus ausgerichtet, und ein solcher findet nun seit dem Corona-Ausbruch ja nicht mehr statt. Es stimmt mich traurig, dass tausende Angestellte nun seit Monaten ohne regelmässiges Einkommen und jegliche staatliche Unterstützung auszukommen haben. Viele sind zwischenzeitlich aus der Stadt auf das Land in ihre Heimatdörfer zurückgekehrt und versuchen sich als Selbstversorger durchs Leben zu schlagen.

Einzig die Tauben entlang der Promemade lassen sich von den fehlenden Touristen nicht beeindrucken und beanspruchen die Gehwege und Plätze mehr denn je zuvor.

Begibt man sich hingegen nur ein paar Strassenzüge weiter ins Zentrum trifft man dann auf den einheimischen Handel und all die Verpflegungsmöglichkeiten, wie man diese schon vor der touristischen Erschliessung überall im Land kennt. Ich erinnere mich noch gut an diese Zeiten zurück und es freut mich, dass wenigstens das normale einfache Leben hier weiterhin zu funktionieren scheint. Ich aus meiner Sicht habe die einheimische Lebensart schon immer den touristischen Gepflogenheiten vorgezogen, und so fordert die aktuelle Situation für mich auch keine grösseren Entbehrungen. Ich versuche mich wieder etwas daran zu gewöhnen, unter all den Einheimischen des öfteren der einzige Westliche zu sein.

Zum Abschluss meines Aufenthaltes in Phnom Penh begab ich mich noch zu einem Feierabenddrink an den Ort, an welchen ich mich bislang mit den meisten unserer Gäste begeben habe. Für einmal musste ich auf der Dachterrasse im „Le Moon“ keinen Tisch im voraus reservieren und ich kam mir ehrlich gesagt so ganz ohne Begleitung auch etwas komisch vor. Der schöne Sonnenuntergang liess den etwas einsamen Moment auf der Terrasse aber dann doch noch zu einem versöhnlichen Abschluss werden.

Am Dienstag in der Früh wurde ich dann planmässig von einem meiner Chauffeure im Hotel abgeholt und ich machte mich auf die letzte Etappe meiner Anreise nach Sihanoukville. Unterwegs kreuzten wir bei einem Frühstückshalt noch einen weiteren Fahrer aus unserem Team. Wir nahmen die Gelegenheit war, uns noch etwas über die aktuellen Begebenheiten auszutauschen, bevor es dann für einmal auf nicht überfüllten Strassen zügig weiter südwärts ging.

06.12.2020

Und nun sind es heute also 14 lange Tage her, dass ich die Hotelquarantäne in Phnom Penh direkt nach Ankunft angetreten habe. Lange Tage, weil es die Bestimmungen wollen, dass man das Hotelzimmer in dieser Zeit nicht verlassen darf. Obschon ich mir, wie im letzten Bericht erwähnt, gleich zu Beginn weg etwas Frischluft mit offenen Fenstern verschaffen konnte, machte sich das Fehlen von etwas Auslauf bei mir schneller bemerkbar, als ich dachte. So versuchte ich trotz postiertem Sicherheitspersonal in den Gängen, zwischendurch mal ein paar Schritte in den weitläufigen Hotelkorridoren zu tun. Nicht Alle waren diesem Ansinnen wohlwollend gestimmt. Es gab aber auch vereinzelt Wachpersonal, welches für meine Wünsche durchaus Verständnis zeigte. Die verwinkelten Korridore sind lang, mein Schrittzähler sagt mir, dass allein eine Runde auf meinem Stock gegen 1000 Schritte ausmachen. So schaffte ich es wenigstens einmal im Tag einen kurzen Spaziergang zu tätigen, ohne dass der diensthabende Wachmann gleich zum Funkgerät griff.

Als kleine Steigerung, wählte ich auch schon mal das Treppenhaus gleich gegenüber meinem Zimmer, welches mir einen Auf- und Abstieg zum 20. Stock des Hauses ermöglichte. Im Treppenhaus war wie zu erwarten gar niemand anzutreffen. Dieses Vorhaben war aber definitiv etwas allzu gut gemeint, mich plagte an den Folgetagen einen Muskelkater in den Waden, so dass ich zumindest das lange Treppensteigen doch lieber wieder auf Eis legte.

Null auf 100 hiess es auch bei meinem Vorhaben, ein 2000teiliges Puzzle in diesen 14 Tagen zu lösen. Das Puzzle, ein Orchestergraben von Mordillo, erhielt ich seinerzeit zu meinem 20. Geburtstag geschenkt. Seither lagerte dieses Puzzle ungeöffnet auf meinem Estrich. Welche Gelegenheit, dies nun in dieser Zeit anzupacken! Nach insgesamt 9 Stunden puzzeln, hab ich es dann wenigstens geschafft, den Puzzlerand und ein kleiner Ausschnitt des Bildes zu erstellen. Betrachtete ich dann die restlichen 1800 schier gleichfarbigen Teile, wurde mir bewusst, warum dieses Puzzle über 30 Jahre in meinem Estrich lag. Ich wollte mich für die weiteren Tage unbedingt etwas zufriedener machen, und stellte dieses Projekt ein.

Schon zuhause war mir klar, dass eine solche Quarantäne nur erfolgreich durchzustehen ist, wenn man sich trotz eingeschränkten Möglichkeiten einen gewissen Alltag zulegt. So pflegte ich auch hier, kambodschanisch früh das Bett zu verlassen und bei einem ersten grossen Kaffee dem Tag beim Erwachen zuzusehen. Der Ausblick aus meinem Zimmer ist hierfür optimal, und ich verbrachte in den vergangenen zwei Wochen doch einige Stunden in der Sitzecke am Fenster beim lesen und schreiben oder dann einfach am beobachten des emsigen Schiffsverkehrs auf auf dem vorbeiziehenden TonleSap-River. Dass bei mir den ganzen Tag über gute Musik lief, muss ich wohl kaum erwähnen.

Phnom Penh um 06.30 Uhr

Die Mahlzeitenlieferungen sind es, welche in einer solchen Situation eine nicht zu unterschätzende Bedeutung bekommen. Es ist nämlich praktisch der einzige persönliche Kontakt den man so mit Sicherheit 3 x mal täglich an der Türe hat. Wir befinden uns zwar hier in einem 5Sterne-Bunker, die Mahlzeiten entsprechen aber bei weitem nicht dem. Gut, wenn man bedenkt, dass das Hotel 744 Zimmer hat, davon zur Zeit rund 700 durch Quarantäne-Absolventen besetzt sind, relativieren sich die Möglichkeiten schnell mal. Für alle 700 Zimmer ist das Essen fast gleichzeitg zuzubereiten und persönlich zu verteilen. Dass dann das Essen oftmals nicht mehr allzu warm ist, in den Plastikbehälter verpackt im Plastiksack etwas gar einfach angerichtet daher kommt, erklärt sich von selbst. Was ich aber schade finde, dass der eher kleine Menüplan für die gesamte Zeit unverändert bleibt und man sich so wohl oder übel die ganzen 14 Tagen von den gleichen Mahlzeiten zu ernähren hat. Die Portionengrösse entspricht auch eher asiatischen Gepflogenheiten, es reichte aber in Anbetracht der minimalen körperlichen Ertüchtigung auch aus. Ein Grund mehr, auch künftig auf das Treppensteigen zu verzichten.

Eine schon etwas wichtigere Bedeutung kam da automatisch dem Kaffeegenuss zu. Eher per Zufall stiess ich beim recherchieren im Internet in der Schweiz auf eine Möglichkeit, mir ohne eine herkömmliche Kaffeemaschine einen guten Espresso zubereiten zu können. Da sich in meinem Gepäck für mein Zuhause in Sihanoukville eine grössere Anzahl an Kapseln der Marke Nespresso befinden, wäre es wohl eine Tortur gewesen, hier im Hotel auf meine tägliche Kaffeerationen verzichten zu müssen. Kurzum habe ich mir für wenig Geld ein äusserst platzsparendes „Outdoor-Gerät“ zugelegt, mit welchem sich mit etwas heissem Wasser und einem manuellen Pumpverfahren ein wirklich ordentlicher Espresso aus der Kapsel hinkriegen lässt. Ein Wasserkocher gehört in Asien in den meisten Hotelzimmer und im einfachsten Haushalt zur Grundausrüstung. Meine Rettung für glückliche Tage!

Nachdem ich die Morgenstunden nützte, um die sozialen Medien, digitalen Zeitungen, planerische Tätigkeiten und eben solche Berichte zu verfassen, nutzte ich die Nachmittage dann eher für entspannte Lesestunden. Die Biographie des Dr. Beat Richner, verstorbener Kinderarzt der Kantha Bopha-Spitäler in Kambodscha, hat es mir besonders angetan. Das Geschriebene lässt mich an die Zusammentreffen mit ihm in Siem Reap erinnern. Das letzte Mal wenige Tage vor seiner krankheitsbedingten Abreise in die Schweiz im Frühjahr 2017. Ende 2018 ist er leider im 71. Altersjahr verstorben.

Die Abende dieser Wochen verbrachte ich dann meistens mit Aufzeichnungen aus der SRF App, und so war ich auch jetzt über vieles in der Schweiz bestens orientiert. Ich freute mich aber auch immer wieder auf persönliche Anrufe, E-Mails oder WhatsApps von Familie und Freunden aus der Schweiz, welche auf diese Weise etwas Abwechslung in meine eher langen Tage brachten. Schlussendlich träumte ich aber schon ab dem ersten Tag davon, schnellst möglich dieses Haus verlassen zu können, um dann dem richtigen Khmer-Leben zu frönen, und vorallem nach dieser langen Zeit endlich zuhause in Sihanoukville anzukommen.

Gestern Samstag musste ich mich noch ein weiteres Mal einem Covid-Test unterziehen. Bei einem negativen Ergebnis könnte ich heute Sonntag, spätestens am Montag Morgen die Quarantäne beenden. Nachdem ich mich nachwievor gesund fühle, bin ich mal guter Hoffnung, dass dies so klappt.

29.11.2020

Bereits eine Woche ist es nun her, als ich in den frühen Morgenstunden in Singapur angekommen bin. Nach einem Ausharren von 7 Stunden in einem abgesperrten Transitbereich, durften wir dann pünktlich eine Maschine der SilkAir, Tochtergesellschaft der Singapore Airlines besteigen. Nun war der Flieger praktisch voll besetzt. Nachdem Kambodscha zur Zeit nicht mehr über Bangkok angeflogen werden kann, ist Singapur eine noch wichtigere Drehscheibe für die umliegenden Länder geworden. So wie ich das erkennen konnte, waren die Passagiere mehrheitlich asiatischer Herkunft, Westliche waren nur vereinzelt auszumachen. Nach einem 90minütigen Flug war dann mein ersehntes Ziel erreicht.

Nach einem geordneten Aussteigen mit viel Abstand, hatte ich mich zu einem in der Ankunftshalle aufgestellten langen Tisch mit 4 Einreisebeamten zu begeben, welche dann alle notwendigen und mitgebrachten Papiere zu sichten hatten. Obschon ich sicher war, dass ich alle erforderlichen Dokumente dabei habe, war mein Pulsschlag in diesem Moment deutlich höher als zuvor. Und so kam es, dass mir die für mich zuständige Beamtin mitteilte, dass der von mir mitgebrachte Versicherungsnachweis nicht den aktuellen Anforderungen entspricht. Dies obschon meine Krankenkasse in englischer Sprache ausführte, dass ich auch im Fall einer Covid-Erkrankung in ausreichender Höhe versichert bin. Die Beamtin machte mir klar, dass nun seit diesen Tagen alle Einreisende eine spezielle kambodschanische Versicherung für Corona-Erkrankungen benötigen würden. Ärgerlich, dass diese Bestimmungsänderung (noch) nicht die Singapore Airlines erreicht hatte, welche bereits beim Boarding die Vollständigkeit der Papiere zu prüfen hat.

Somit hatte ich mich wohl oder übel aus der Kolonne zu begeben um mit meinem Smartphone online eine solche Versicherungspolice zu erstellen. Gottseidank fand ich mit einem Flughafenmitarbeiter einen Helfer, welcher mir kurzum seine Internetverbindung via Hotspot zur Verfügung stellte, um dann den Online-Abschluss zu tätigen. Ein guter Moment, als dann das gewünschte Dokument als PDF auf dem Bildschirm erschien. Durchgeschwitzt stellte ich mich dann nochmals in die Kolonne und zeigte der Beamtin das Gewünschte. Wir wären aber nicht in Kambodscha, wenn sie dann den Versicherungsnachweis auch nicht noch in Papierform haben wollte, um einen ihrer Stempel darauf zu platzieren. Ich versuchte ihr beizubringen, dass ich zwar viel dabei habe, aber beim besten Willen keinen Drucker. Und so hiess es ein weiteres Mal zurück zu Feld 1, und ich bat den vorherigen kambodschanischen Helfer mich nach der Suche nach einer Druckmöglichkeit zu unterstützen. Ich sendete ihm das Dokument per WhatsApp zu und er liess das Dokument danach ausserhalb der Ankunftshalle an einem Bankschalter für mich ausdrucken. Ein gutes Trinkgeld war ihm gewiss und die offizielle Einreise fand damit auch endlich seinen verdienten Abschluss.

Nach einem weiteren Corona-Test in einer improvisierten medizinischen Abteilung hiess es dann einsteigen in einen bereitstehenden Bus. Aus den Medien wusste ich bereits in der Schweiz, dass die Regierung 2 grosse Hotels gemietet hat, um die Einreisenden für 14 Tage unterzubringen. Ein Hotel ist ein chinesisch geführter Betrieb in der Nähe des Flughafens und als zweites Hotel dient das 5-Stern-Sokha-Hotel auf der Halbinsel im Mekong, in dem mir bestens bekannten Zentrum Phnom Penhs. Ich wollte unbedingt dafür sorgen, die Quarantäne wenigstens im Sokha absitzen zu können, leider besteht aber hierzu keine Wahlmöglichkeit. Offenbar werden die Hotels busweise gefüllt und so wollte es der Zufall, dass ich mich dank den langwierigen Einreisebemühungen, nun nicht wie eigentlich vorgesehen im ersten Bus sondern im zweiten Bus platzieren durfte, welcher nun das Sokha anfuhr, was ich erst im Bus selber vernahm. Die Welt war für mich gerade wieder in bester Ordnung und ich freute mich nach dieser anstrengenden 33stündigen Anreise einfach nur noch auf ein anständiges Bett.

Im Sokha-Hotel angekommen ging es dann schnell. Kurz ein paar Formalitäten erledigen und schon wurde man in das Zimmer begleitet, welches nun das Zuhause für die nächsten 14 Tagen sein soll. Weder ein freies bewegen im Hotel noch einen täglichen Freigang in der Parkanlage ist vorgesehen. Ich wusste aber bereits im Vorfeld, welche Bedingungen hier auferlegt werden und konnte mich entsprechend gut darauf einstellen.

Nach etwas Schlaf begann ich damit, mich für etwas Alltag einzurichten. Das Zimmer selber ist schön, es lässt es einem absolut wohl sein. Auch die Aussicht auf den Mekong und die Riverside von Phnom Penh ist toll. Jetzt würde eigentlich nur noch ein Balkon fehlen. Leider sind auch die beiden Fensterflügel verschlossen. Das Hotel ist offenbar der Auffassung, dass man hier für 14 Tage ohne Frischluft mit Klimaanlage gut aushalten kann. Dieser Meinung war ich definitiv nicht und mit etwas beharrlichem Insistieren brachte ich dann am ersten Tag die Verantwortlichen dazu, meine beiden Fensterflügel aufzuschliessen, so dass ich fortan selber entscheiden kann, wann und wie lange ich die Fenster geöffnet haben will. Ich musste hierzu eine Unterschrift auf eine schriftliche Erklärung geben, dass ich die Öffnung auf mein „Risiko“ veranlasse. Ich gehe mal davon aus, dass die Angst besteht, dass Jemandem die Quarantäne nicht gut bekommt und so einen tragischen Abflug macht. So verbringe ich nun die Tage also bei offenem Fenster mit warmen Temperaturen und einem angenehmen Lüftchen.

Als ich dann auch noch meine Überlebenstheke mit Nespresso, Nescafe, Tee und einem Sack Basler Läckerli (rationiert auf 2 Stk./Tag😉) eingerichtet hatte, konnte die Quarantäne offiziell beginnen. Mehr zu meinem jetzigen Alltag und weiteren Begebenheiten dann am nächsten Sonntag.

21.11.2020

Nach den vielen Wochen Unsicherheit, habe ich nun meine Abreise in meine Wintersaison nach Kambodscha geschafft. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass in dieser Zeit kaum mehr jemand Lust verspürt, in ferne Länder zu reisen, wenn es denn überhaupt möglich ist.

Nachdem sich die Corona-Situation in Südostasien entgegen Europa deutlich beruhigt hat, entschied ich mich nun die Reise auf mich zu nehmen. Dies war mir aber auch nur möglich, weil ich noch im Besitz eines bis im April 2021 gültigen Visa bin. Die üblichen Touristenvisa werden zur Zeit gar nicht ausgestellt.

Die Reisebedingungen sind zwar zur Zeit alles andere als einfach, so musste ich im Vorfeld für eine Einreise nach Kambodscha so einige Dokumente in englischer Übersetzung organisieren, Visum- und Aufenthaltsabklärungen treffen und schlussendlich einen Covid-Test kurz vor Abflug absolvieren.

Nach Kambodscha gibt es aktuell nur wenige Reisewege. Nebst einem Flug mit der Korean Airline über Seoul bietet nur gerade die Singapore Airline Flüge mit einem Zwischenstopp an.

So stand ich also gestern Samstag in der Früh am Flughafen und checkte für eine etwas ungewohnte Reise ein. Dass es nur wenige Reisende geben wird, war mir klar. Dass ich aber praktisch alleine am Check-in stand und dann nur gerade 26 Personen den A350 der Sinagapore Airline bestiegen, gab mir schon zu denken. Offenbar wird der Flieger mit Fracht vollgepackt, in der Kabine war davon aber nichts zu sehen. Alle Reisenden wurden in der Kabine verteilt und so hatte ich wohl das einzige Mal in meinem Leben einen ganzen Sektor für mich alleine.


Es ist ja nicht so, dass ich vor dem Virus nicht Respekt habe. Fühle mich bei solchen Ansichten gerade etwas ungeschützt……

Nach und nicht vor dem Boarding:

Mein Privat-Abteil:

Dass der Flieger aus techniscben Gründen schlussendlich mit 3 Stunden Verspätung abhob, war verkraftbar. Die Betreuung während des Fluges war natürlich hervorragend und sehr aufmerksam und es war für einmal ausreichend Platz um etwas zu schlafen.

Nach etwas mehr als 12 Stunden in Singapur angekommen, entspanne ich mich in der extra hergerichteten Aufenthaltszone am Flughafen. Flanieren und Bummeln ist zur Zeit nicht angesagt.

Nach ein paar Stunden geht es nun hoffentlich pünktlich weiter nach Kambodscha, wo ich nach weiteren 2 Stunden Flug landen sollte. Dort wird mich nach einer etwas umfangreicheren Einreisekontrolle, einem erneuten Covid-Test eine direkte Hotelquarantäne von 14 Tagen erwarten. Am nächsten Sonntag gibt es hierzu dann wieder Neuigkeiten. Bis dahin mit lieben Grüssen aus Singapur.

05.10.2020

Auch wenn die jetzigen Herbsttage in der Schweiz so einiges an Schönem zu bieten haben, so zeigt mir der Einzug des nasskalten Wetters doch deutlich, dass ich innert Kürze meine Saison in Kambodscha in Angriff nehme sollte.

Vorerst bleibt es aber nun mal beim sollte, denn Corona vermiest nun auch uns künftig die sonst so liebgewonnenen Möglichkeiten. Glaubten wir im Frühling noch fest daran, eine nächste Saison wie gewohnt durchführen zu können, so mussten wir zwischenzeitlich schweren Herzens die für das Jahr 2021 geplanten Rundreisen aufgrund der grossen Unsicherheiten absagen. Gerade für meine kambodschanischen Freunde und Mitstreiter ist dies ein herber Schlag. Das Wegbleiben der Touristen bringt sie in ernsthafte existentielle Nöte.

Kambodscha, wie auch die Nachbarländer, haben es durch die frühen rigorosen Grenzschliessungen und konsequenten Einreisesperren geschafft, ihre Staaten bislang weitgehend Coronafrei zu halten. Gelesen in diesen Tagen auf Watson:

Watson, 29.09.2020

Nun sind die Staaten daran, bedacht und nur sehr zögerlich wieder Ausländer ins Land zu lassen, was mit Blick auf die Vorkommnisse in der westlichen Welt in Sachen Corona für mich auch verständlich ist.

So geht es nun also bei mir so weiter, wie die letzte Saison aufgehört hat. Weiterhin schlage ich mich mit Annulierungen und Umbuchungen von Flügen und Hotels herum und hoffe gleichzeitig, dass meine Abreise in eine für einmal etwas andere Saison doch noch zeitig klappen wird.

03.04.2020

Nachdem Kambodscha und Thailand das öffentliche Leben zwischenzeitlich auch massiv eingeschränkt haben, wurde es nichts aus meiner vorgesehenen Aufenthaltsverlängerung bis ende April. Die Grenzen und somit auch die Flugverbindungen sind bis auf weiteres geschlossen und es ist denkbar, dass eine eine Abreise nicht vor Juni möglich wäre.

Ich hätte nie im Traum daran gedacht, dass auch ich einmal für eine Heimreise auf die staatliche Hilfe der Eidgenossenschaft angewiesen wäre. Das EDA mit ihrer Schweizerischen Botschaft in Thailand, u.a. auch zuständig für Kambodscha, leistete in den letzten Wochen ganze Arbeit, und machte es in relativ kurzer Zeit möglich, dass viele in dieser Region gestrandete Touristen nun sicher zurück in die Schweiz zurückreisen konnten. So war es also auch mir gegönnt, heute früh am 03.04.2020 in Phnom Penh eine Maschine der Edelweiss mit Direktflug nach Zürich zu besteigen.

Kambodscha und seine Bevölkerung haben sich im Kampf um den Virus bislang vorbildlich verhalten. Obschon die Krise das Land ebenso mit grosser Härte trifft, wich das für Kambodschaner so typische Lächeln zu keiner Zeit von ihren Gesichtern. Auch wenn man dies in den letzten Tagen nicht mehr so deutlich zu sehen bekam und die Kontrollen an den verschiedenen Checkpoints teilweise etwas gar skurril daher kamen.

Trotz hochsommerlichen Temperaturen leide ich hier offenbar an akuter Unterkühlung, oder anders gesagt, cooler gehts nicht😂

Ich bin für die erneut wunderbaren Monate in Kambodscha dankbar, und ich werde in der Schweiz meine Freunde, mein Umfeld hier und die gelebte Herzlichkeit sicherlich vermissen. Aber schliesslich ist nach der Saison auch vor der Saison, und so freuen wir uns einfach heute schon auf ein möglichst gesundes Wiedersehen in der nächsten Saison, und dann hoffentlich wieder ohne Mundschutz!