Frauenpower

Hält man sich an einem Wochenende in Phnom Penh auf, dann trifft man seit diesem Jahr auf eine neu geschaffene Situation an der Ausgangsmeile entlang des Flussufers. Neu wird nämlich an den Wochenendabenden die Strasse bis in die Morgenstunden für jeglichen Verkehr gesperrt und dient als Flaniermeile. Der jeweils grosse Strom an Menschen lässt erkennen, dass dies einem wirklichen Bedürfnis entspricht. Wieder aus Sihanoukville angereist, genoss also auch ich am letzten Sonntagabend ein paar vergnügliche Stunden mit einem Bad in der Menge. Schlenderte den unzähligen Verpflegungsständen entlang und blieb hin und wieder auch an musikalischen Darbietungen hängen. Insgesamt gesehen eine wunderbare Idee und eine schöne Aufwertung an den Wochenenden.

Erreicht man das Ende der abgesperrten Zone, drängt sich der motorisierte Verkehr dafür umso massiver durch die verbleibenden Verkehrswege.

Schnell mal das Ausgangsquartier gewechselt. Das Quartier um die Bassacstreet, zwar nicht am Ufer gelegen und etwas versteckt, aber mit seinen kleinen Bars und Restaurants ein optimaler Treffpunkt für Nachtschwärmer.

Wer nun meint, ich hätte nur des Ausgangswegens die Rückfahrt nach Phnom Penh unter die Räder genommen, der liegt falsch. Der Grund liegt vielmehr beim Start zu unserer ersten 10Tages-Tour in dieser Saison. Wir dürfen Mutter und Tochter auf eine Reise von Phnom Penh über Battambang nach Siem Reap begleiten. Für einmal also reine Frauenpower an Bord. Schön, seid ihr hier, Irène und Sandrina.

Marktbesuche und entspannte Fahrten durch die Stadt per TukTuk sind es, die einem das Leben in der Hauptstadt Phnom Penh am schnellsten näher bringen. So war es auch dieses Mal und unsere Gäste tauchten mit viel Schwung und Neugier ein ins Geschehen.

Üblicherweise ist die Regenzeit im Oktober noch alles andere als vorbei und zumindest kürzere aber regelmässige Regengüsse ziehen über‘s Land. Ich war daher in Bezug auf die Reisezeit ziemlich skeptisch, als ich die seinerzeitige Touranfrage bereits für den Oktober erhielt. Gewöhnlich finden nämlich solche frühestens ab mitte November statt und auch da sind nasse Verhältnisse nicht immer ganz ausgeschlossen. Es scheint aber, dass sich auch auf diesem Kontinent meteorologisch so das eine und andere etwas verschiebt. Bislang hielt sich der Regen an unser Programm und gelangte nur dann in Aktion, wenn es für uns keine Rolle spielte, und dies vorallem in der Nacht. Wir wären natürlich nicht unglücklich, wenn dies bis zum Ende der Tour so bleiben würde. Dies wäre aber wohl etwas viel verlangt. Wir sind gut gerüstet, komme wie es mag.

Und so genossen wir also die ersten Tage bei besten Verhältnissen und nur sehr wenig Touristen unser Tagesprogramm. Ich selber habe den Königspalast noch kaum mal so leer vorgefunden.

Wer schon mal in Kambodscha war, oder dann meine Beiträge länger verfolgt, weiss bereits, dass das Zentrum der Stadt nicht direkt am Mekong liegt, sondern vielmehr am Fluss Tonle Sap, welcher den gleichnamigen See Tonle Sap mit Wasser aus dem Mekong versorgt. Die Besonderheit dieses Flusses liegt in der Tatsache, dass dieser wohl weltweit der einzige Fluss ist, welcher im Verlauf des Jahres seine Fliessrichtung ändert. Hat nämlich der im Himalaya-Gebirge in einer Höhe von 5300 Meter entsprungene Mekong viel Schmelzwasser und noch eine grössere Menge an Regenwasser aus der Monsunzeit im Gepäck, so drückt dieser beim Zusammenfluss dieser beiden Flüsse in Phnom Penh das Wasser in den Tonle Sap Fluss und lässt diesen kurzum in die andere Richtung fliessen. Dies hat zur Folge, dass der Tonle Sap See auf eine 4fache Grösse anwächst und sich dann nach erfolgter Korrektur des Pegels vom Mekong wieder kontinuierlich entleert. Aktuell hat die Kehrtwende für diese Saison bereits stattgefunden. Eine abendliche Flussrundfahrt entlang der Stadt gehört bei uns ins Programm und wir durften auch diese trocken und mit nur wenigen Gästen an Bord geniessen.