Claudia & Martin, 05.01. – 24.01.2026
Zwischen Skepsis und Begeisterung: 35 Jahre Individualreisen – und dann Kambodscha geführt
Im Vorfeld haben wir uns ein paarmal gefragt, wie das wohl werden wird. Wir machen seit 35 Jahren zusammen Ferien, bis jetzt aber immer als Individualreisende. Es ist das erste Mal, dass wir uns an eine geführte Reise wagen. Und jetzt geht diese geführte Reise langsam zu Ende und unser Fazit ist: das kann man sehr gut machen, man muss sich einfach darauf einlassen wollen. Die ersten paar Tage mussten wir uns neu ordnen. Wir kamen direkt aus Vietnam, welches wir während 2 Wochen alleine bereist hatten. Plötzlich sagte uns jemand, wann wir zum Morgenessen erscheinen sollen und wann Abfahrtszeit ist. Nach 35 Jahren in den Ferien ausschlafen und spontan das machen, was gefällt, war dies die grösste Umstellung. Andererseits war es auch total schön, einmal alle Verantwortung abgeben zu können und nichts überlegen zu müssen. Als Fazit können wir allen, welche bis jetzt alleine gereist sind, diese geführte Reise sehr empfehlen. Der Vorteil ist, dass wir viel mehr Informationen über Land und Leute erhalten haben. Wir wissen jetzt so viel über Kambodscha und seine Geschichte, wie wir als selbständig Reisende in 3 Wochen nie erfahren hätten. Trotzdem werden wir in Zukunft nicht zu fanatischen Gruppenreisen-Menschen, aber wir sind absolut nicht abgeneigt, wieder einmal eine solche Reise anzugehen und empfehlen allen, es einfach mal auszuprobieren.

Nach anfänglicher Skepsis und viel Vergleichen mit Vietnam, haben wir Kambodscha und seine Einwohner fest in unser Herz geschlossen. Die Kambodschaner sind zurückhaltende, gleichzeitig sehr freundliche, lustige, hilfsbereite und sehr aufmerksame Menschen. Sie freuen sich sehr über uns Europäer und des Öfteren wird, wenn wir mit dem TukTuk vorbeifahren, vom Strassenrand her gewunken. Die Kinder freuen sich ganz besonders. Falls mal jemand doch etwas skeptisch guckt, bedarf es einem Lächeln und einem freundlichen „Suesdei“ von uns und schon ist der Bann gebrochen. Als Martin ein kleines medizinisches Problem hatte und ich mit ihm neben dem Auto in den Schatten ging, waren innert kürzester Zeit sechs Frauen bei uns, die uns medizinische Hilfe in Form von braunem Zucker, Tigerbalsam und weitere zum Teil komische Medizin anboten. Wir durften unkompliziert das Badezimmer einer Familie benutzen. Die Hilfsbereitschaft dieser Menschen hier ist einfach unglaublich.

Die Kambodschaner funktionieren ganz anders als wir. Wir staunen immer wieder. Der Umgang mit lebenden Tieren auf dem Markt empfinden wir als Tierquälerei. Die gesamte Hygiene ist lange nicht so, wie bei uns. Der Gerümpel um die Häuser würden wir als Erstes mal aufräumen, die Kambodschaner stört dies nicht. Es ist für sie normal. Es stört sie nicht, wie etwas aussieht, zweckmässig muss es sein. Sie sitzen viel am Boden oder in der Hocke, wir würden einen Stuhl bevorzugen. Viel Zeit verbringt der Kambodschaner in seiner gehäkelten Hängematte. Diese wird öfters in der Ruhezeit auch gleich ins TukTuk gehängt und dann wird dort geschlafen (wie in diese Hängematte im TukTuk ein- und ausgestiegen wird, bleibt uns ein Rätsel). Schlafen können diese Menschen sowieso überall und in allen erdenklichen Positionen. Immer wieder trifft man irgendwo auf schlafende Menschen.
Was uns auch immer wieder auffällt, dass manchmal (zB in einem Café) viele Mitarbeiter herumstehen, wenn man dann etwas bestellt, weiss keiner so genau, was zu tun ist. Jeder fühlt sich wichtig, am besten noch mit Knopf im Ohr und einem Walkie-Talkie ausgerüstet, aber einen Kaffee herstellen gestaltet sich dann als sehr komplizierte Angelegenheit, keiner der Mitarbeiter kommt so richtig „in die Gänge“.

Roller fahren ist eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen, sie gehen keinen Meter zu Fuss. Auf dem Roller wird alles transportiert, Leitern, Gasflaschen, lebende Tiere, manchmal sitzt eine ganze Familie drauf (Vater, Mutter, drei Kinder!). Die Kambodschaner ernähren sich den ganzen Tag etwa gleich. Es ist für uns vom Gericht her jeweils nicht erkennbar, ob jemand am Morgen-, Mittag- oder Nachtessen ist. Reis gibt es in allen Variationen, auch als Dessert.
Die Kambodschaner leben zum Teil in sehr armseligen Verhältnissen, aber sie wirken auf uns sehr zufrieden.

Diese Reise hat uns viele Facetten von Kambodscha gezeigt und uns den Menschen wie auch dem Buddhismus, der hier gelebt wird, näher gebracht. Es war eine unvergessliche Zeit und wir danken Cello aus ganzem Herzen, dass er uns dieses Land gezeigt hat. Wer gerne ganz tief in das Leben der kambodschanischen Bevölkerung eintauchen und viel über die Geschichte dieses Landes erfahren möchte, sollte diese Reise unbedingt buchen!

