Digital unterwegs

Der Bevölkerung des asiatischen Kontinents braucht wohl kaum jemand den Umgang mit der digitalen Welt zu erklären. Dazu passt, dass inzwischen auch die Einreiseformalitäten nach Kambodscha digital abgewickelt werden. Noch erst mussten vor der Landung bereits im Flieger mehrere Formulare ausgefüllt und das Visum in der Ankunftshalle in einer Schlange stehend für bares Geld beantragt werden. Heute weiss man bereits vor dem Abflug in der Schweiz, dass man in Kambodscha willkommen ist. Das Visum wird nämlich online beantragt und die Einreiseformalitäten sind seit diesem Jahr ebenso über einen speziell entwickelten App vor der Abreise abzuwickeln.

Die Kambodschaner, welche alle. von sehr jung bis sehr alt, ein Smartphone ihr eigen nennen, wissen sich sehr gut zu vernetzen und sind es gewohnt, den Alltag unter Beizug der unterschiedlichsten Applikationen zu bewältigen. An neue digitale Errungenschaften gewöhnt man sich hier sehr schnell.

Noch vor ein paar Jahren war zum Beispiel auch der Taxifahrdienst PassApp noch nicht existent und man bewegte sich von A nach B mit einem der herkömmlichen TukTuks und war mehr oder weniger auf die Ortskenntnisse des Fahrers angewiesen. Spezielle Örtlichkeiten liessen sich zu dieser Zeit nur mit der Unterstützung einer Karte oder von Google Map mit viel Handsprache finden.

Heute scheint dies landesweit Geschichte, denn für Einzelstrecken vertrauen die Einheimischen nun vorwiegend auf die Dienste der Taxis mit den Namen PassApp oder Crab. Diese lassen sich mit dem Handy via App bestellen, indem man den gewünschten Zielort eingibt. Der App kennt den Standort des Nutzers und so berechnet dieser auch automatisch den korrekten Fahrpreis und sucht im nahen Umkreis einen verfügbaren Fahrer, welcher einem ohne verhandeln zu müssen an den gewünschten Ort bringt. Dort zahlt man dann den im voraus berechneten Fahrpreis. Das System ist mit „Uber“ zu vergleichen, nur dass hier an jedem Strassenecken solche Taxis stehen, welche auf eine Buchung warten. Fazit: für das Fortbewegen von A nach B unkompliziert, schnell und günstig. Für mehrere Stationen oder Rundfahrten in der Stadt aber nicht mit einem komfortablen TukTuk zu vergleichen. Gut gibt es beides, für die Einheimischen eine einfache Sache und ersetzt so ein funktionierendes öffentliches Verlehrsmittel, welches es gar nicht gibt und so wohl auch nie von Nöten macht.

In den vergangenen Jahren hat sich nebst diesem Taxifahrdienst auch die von der Bank ABA lancierte Bezahl-App (vergleichbar mit Twint in der Schweiz) durchgesetzt. Bezahlt wird somit zu weiten Teilen digital, sogar Garküchen und Markthändler haben ihren QR-Code prominent platziert, womit auch Kleinstbeträge mühelos den Besitzer wechseln können. Ich selber vertraue ebenso auf diese Zahlmöglichkeit, sehr einfach lassen sich so Zahlungen an Fahrer und Hotels während der Rundreise tätigen oder Eintrittskarten lösen ohne mit viel Bargeld unterwegs sein zu müssen.

Eine weitere wichtige Möglichkeit für den Einsatz des Smartphones, mal abgesehen von Facebook & Co. besteht im Bestellen von Lebensmitteln und Gerichten. Bekanntlich verpflegt sich der Kambodschaner gerne auswärts oder dann im eigenen Zuhause, ohne hierfür selber eine Küche haben zu müssen. Verschiedene Lieferdienste per Motorrad haben sich landesweit etabliert und auch die Garküchen bedienen sich dieser Möglichkeit, ihr Essen an Mann und Frau zu bringen. Nach meinem Empfinden hat sich die Anzahl an Motorradfahrer mit ihren farbigen Gepäckboxen in diesem Jahr nochmals deutlich erhöht.

Ist der App einmal auf dem Handy installiert und man hat sich ein Profil erstellt, wird einem nach Bekanntgabe des Standortes eine schier endlose Auswahl an allem möglichen Essen, sei dies Kambodschanisch, Japanisch, Westlich, Chinesisch, Thailändisch und vieles mehr geboten. Natürlich gehören auch allerhand Drinks und Artikel des täglichen Bedarfs zum Angebot. Wenige Klicks reichen, und das Essen ist bestellt und wird maximal innert 30 Minuten ausgeliefert. Ich nehme diesen Service gelegentlich auch in Anspruch. Dass ich jedoch einen Drink über die Strasse durch den Lieferdienst mit dem gewährten Sonderrabatt günstiger erhalte, als wenn ich diesen zu Fuss im 100 Meter entfernten Shop selber abhole, stimmt mich zwar nachdenklich, doch zumindest hat jemand wieder etwas Arbeit und ein Trinkgeld gibts nebst der Bezahlung mit dem App sowieso bar auf die Hand.

Tja, auch hier im fernen Kambodscha heisst es also stets am Ball bleiben um den Anschluss nicht zu verpassen. Durchaus ein gutes Training für den auch in der Schweiz immer digitaleren Alltag.